Das schwedische Kontingent an jungen wilden Bands ist schier unerschöpflich.
Diese Hardrocker, und wenn man so will, progressiven Hardrocker, warum nicht, heute ist
doch alles progressiv, dann diese sowieso, weil die haben progressive Elemente in ihrem
harten Rock, steigen voll auf die Gleise ihrer Vorväter, die einst, so um 1972, die Welt
mit lauter elektrischer Musik erobert haben. Wieder einmal geht eine Combo den completely
retrospektiven Weg, ohne Wenn und Aber. Und The Divine Baze Orchestra, der Name gebietet
hohe Achtung vor der blutjungen Horde, haben tolle Ideen, gutes Handwerk, viele Platten
gehört und eine Lust auf diesen, ja, geilen Sound, dass die Ansteckungsgefahr groß ist.
Schön, was hier alles passiert. Orgel und Gitarre donnern über das Rhythmusgebirge, als
säßen sie in einem Mordsjeep, der jede noch so verfrickelte Oberflächenfraktur locker
und lustig nimmt. Soli reiht sich an Soli, Härte an Härte, Schnelligkeit an Bock auf
Schnelligkeit. Kein Song, wirklich keiner, ist langweilig. Es rockt und rollt pausenlos,
wär's Blut, würd's spritzen!
Oliver Eek (g, back voc, lead voc), Tobias Petterson (b, back voc), Christian Eklöf (dr, perc),
Daniel Karlsson (org, mel) und Alexander Frisborg (lead voc, tamb, rhythm g) haben den
Rock'n'Roll gar nicht erfunden. Nein, der war schon da, als sie noch nicht da waren.
Aber sie geben ihr Blut für ihn und diese Frischzellenkur trägt Früchte. Was die
Inspiration betrifft, die die Combo antreibt, ist laut Pressezettel mehr dabei, als
in ihren Songs wirklich zu hören ist. Am ehesten sind Uriah Heep auszumachen, auch
Budgie und gut, King Crimson, eine Prise. Aber Mahavishnu Orchestra
(das in letzter Zeit gern genannt wird!)? Sicher ist mit "Orange and Turquoise" auch ein
jazztriefender Rocker (kein Jazzrock) an Bord, der bluesversiert durch seine Minuten robbt.
Ein feiner Song, wie andere auch, die ebenso jazzige Ideen in Rock tunken.
Aber das andere Orchestra, das mit dem M., ist in mehr als 4 Sekunden dann doch nicht herauszuhören.
Lustiges gibt es auch zu vermelden. So ist Alexander Frisborg mit einer Stimme ausgestattet,
die ihn im klassischen Bereich Counter-Tenor hätte werden lassen können. Wenn er damit in
"Chose your green" zum Schrei ansetzt, erklingt eine lustige, unfreiwillig komische
Karikatur von Rockschrei, aber eine wirkungsvolle. Das klingt, als wäre er vor dem Schrei
mindestens 5 Kilometer wie ein Weltmeister gerannt (und nicht gejoggt) und Lunge und
Stimmbänder seien schlicht completely am Ende. Die Schreikarikatur klingt jedoch nicht
blöde oder doof, sondern sympathisch.
"The Man From My Mother's Brother" ist schwerer, fetter Hardrock wie die anderen Songs auch -
mit einer Besonderheit. Die Vokalarrangements beziehen konkrete Inspiration aus der Klassik,
was das Mellotron hübsch ausmalt, auch hier ist der Gesang des Stimmkünstlers ansprechend
und lustig bis witzig zugleich. Ich LIEBE diesen Refrain!!! Die Gesangslinie bekommt den
Prog-Orden in Silber, Alexander eine große schwere Medaille für seinen selbstbewussten Gesang,
und seine Eltern eine unauffälligere für die Herstellung und das Fördern des Heranwachsens
dieser kraftvollen, klaren, hellen Stimmbandvibrationen.
Die Songs sind klasse (tut mir leid, ist kein treffenderer Ausdruck zur Hand) komponiert,
gehen wie Droge sofort ins Blut und rauschen wild darin herum. Macht ordentlich Spaß, sich
den wohl sortierten und an Krach nicht schwachen Hardrock-Perlen genüsslich zu widmen.
Was an Lebenszeit bleibt, wird mit "Once we were born..." gut unterhalten.
Also, würde Dieter van Gelder sagen: Tipp!
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